Kita-Männer schließen sich zusammen

30 Erzieher aus dem Werra-Meißner-Kreis haben an dem ersten Vernetzungstreffen teilgenommen.

Werra-Meißner – Sie sind nach wie vor eine Minderheit, werden aber immer mehr: Männer als Erzieher in Kindertagesstätten. Etwa 45 davon gibt es in den Kitas im Werra-Meißner-Kreis. 30 von ihnen haben sich jetzt ausgetauscht und einen Arbeitskreis gegründet, um „die Rolle männlicher Fachkräfte in Kitas nachhaltig zu stärken“.

Inzwischen gibt es im Werra-Meißner-Kreis auch männliche Kitaleiter. Jakob Reisberg (Witzenhausen), Simon Früchtenicht-Kalthaus (Eschwege) und Mathias Röhl (Reichensachsen) organisierten das Treffen zusammen mit Berufsschullehrer Malte Hochschild und unterstützt von der Fachaufsicht für Kindertagesstätten des Fachbereichs Jugend und Familie des Werra-Meißner-Kreises. Sie hatten einen Experten für das Thema eingeladen. Prof. Dr. Tim Rohrmann ist nicht nur Professor an der HAWK Hildesheim, sondern auch bundesweiter Koordinator der Vernetzung „Männer in Kitas“. In einer offenen und lebendigen Atmosphäre wurden Themen wie Rollenbilder, Teamarbeit, Elternkommunikation und berufliche Perspektiven diskutiert. „Viele Teilnehmer betonten, wie wichtig es sei, dass männliche Fachkräfte in der frühen Bildung sichtbar bleiben und ihre Erfahrungen teilen“, sagt Alisa Roth aus der Pressestelle des Kreises.

Rohrmann sagt: „Pädagogische Fachkräfte sollten die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln – sowohl in Bezug auf Geschlechter als auch auf unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen.“ Frühkindliche Bildung sei ein zentraler Bereich, in dem Geschlechterstereotype geprägt oder hinterfragt werden können. „Männliche Fachkräfte können alternative Bilder von Männlichkeit sichtbar machen und Kindern ein breiteres Spektrum an Bezugspersonen bieten“, so Rohrmann. Gleichzeitig braucht es eine Auseinandersetzung mit strukturellen Rahmenbedingungen, die es Männern erleichtern, diesen Beruf zu ergreifen und langfristig darin tätig zu sein.

Die Innsbrucker Wirkungsstudie stellte bei Videobeobachtungen fest, dass manche Jungen besonders enge Beziehungen zu männlichen Fachkräften entwickelten. „In mancher Hinsicht scheinen männliche Fachkräfte also für Kinder, insbesondere Jungen, wichtig zu sein“, sagt Rohrmann. Dies könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass Männer eher ansprechbar für wildes Spiel sind – Spielformen, die vielen Kindern Spaß machen und zudem wichtige Lernerfahrungen ermöglichen. Männliche Kita-Fachkräfte seien eher bereit, selbst Risiken einzugehen, und gehen entspannter mit riskantem Verhalten von Kindern um, wie Studien aus Norwegen zeigen, wo der Anteil männlicher Fachkräfte etwa doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Typisch männlich sei auch das „Raufen und Toben“, das bei Jungen deutlich häufiger zu beobachten ist als bei Mädchen – und an dem Männer (sowohl Väter als auch männliche Pädagogen) sich deutlich häufiger beteiligen. „Das heißt aber nicht, dass Männer in erster Linie dafür gebraucht werden, damit sie spannende Sachen mit Jungen machen und mit ihnen herumtoben“, sagt Rohrmann.

Etwa zwei Drittel der männlichen pädagogischen Fachkräfte aus verschiedenen Kindertageseinrichtungen des Werra-Meißner-Kreises tauschten sich in den Beruflichen Schulen Witzenhausen über Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen von Männern im Berufsfeld Kita aus und setzten gleichzeitig neue Impulse für die pädagogische Arbeit. Der neu gegründete Arbeitskreis „Männer in Kitas“ im Werra-Meißner-Kreis will künftig regelmäßig zusammenkommen, um die Themen des Fachtags weiterzuführen, Erfahrungen zu bündeln und die Rolle männlicher Fachkräfte in Kitas nachhaltig zu stärken. Ein weiteres Treffen ist für den 20. Mai 2026 angesetzt. Der Arbeitskreis „Männer in Kitas“ ist unter MaennerinKitas-wmk@web.de zu erreichen.

 

Anteil bei 8,2 Prozent

2023 waren laut Statista deutschlandweit 61.458 männliche Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen tätig; das entsprach einem Anteil von 8,2 Prozent. Seit 2009 hat sich ihre Zahl damit zwar mehr als verdreifacht, nichtsdestotrotz ist die Anzahl der weiblichen Fachkräfte nach wie vor um ein Vielfaches höher: 2023 arbeiteten knapp 692.000 Frauen im Bereich der Kinderbetreuung.

 

 

Entnommen aus: Werra Rundschau / wanfried 12.12. 2025.  Autor: Tobias Stück